FIAKER JOURNAL

Tierschutz bei Fiakerpferden – Haltung, Ausbildung & Verantwortung | Fiaker Paul

Wie leben Fiakerpferde wirklich? Erfahren Sie alles über Gesetze artgerechte Haltung und warum Fiaker Paul weit mehr für seine Pferde tut als gesetzlich vorgeschrieben.

Tierschutz bei Fiakerpferden: Haltung, Ausbildung und Verantwortung bei Fiaker Paul

Wie leben Fiakerpferde wirklich?
Diese Frage stellen sich viele Besucherinnen und Besucher Wiens – und sie ist berechtigt. Moderne Fiakerbetriebe stehen heute stärker denn je im Fokus der Öffentlichkeit. Genau deshalb setzen wir bei Fiaker Paul auf maximale Transparenz.

In diesem Beitrag zeigen wir offen:
• welche gesetzlichen Tierschutzregeln für Fiakerpferde gelten,
• wie unsere Pferde tatsächlich leben und arbeiten,
• wie Ausbildung und Betreuung ablaufen,
• und warum wir bewusst über gesetzliche Mindeststandards hinausgehen.

Kurz erklärt: Geht es Fiakerpferden gut?

Ja – wenn Haltung, Ausbildung und Einsatz verantwortungsvoll erfolgen.

In Österreich zählen Fiakerpferde zu den am strengsten kontrollierten Arbeitspferden Europas. Neben dem österreichischen Tierschutzgesetz gelten zusätzliche lokale Vorschriften und regelmäßige veterinärmedizinische Kontrollen durch die Stadt Wien.

Unser Ansatz geht jedoch weiter:
Gesetze definieren Mindestanforderungen – unser Anspruch ist langfristiges Pferdewohl.

Herceg (19), Fiakerpferd während dem Urlaub auf unserem Pferdehof in Arbesthal bei Göttlesbrunn.

Gesetzliche Vorschriften für Fiakerpferde in Österreich

Fiakerbetriebe unterliegen mehreren rechtlichen Ebenen:

1.⁠ ⁠Österreichisches Tierschutzgesetz

Regelt grundsätzlich:
• artgerechte Haltung
• Schutz vor Überforderung
• Gesundheitskontrollen
• ausreichende Ruhezeiten

2.⁠ ⁠Tierhaltungsverordnung für Pferde

Sie schreibt unter anderem vor:
• geeignete Stallflächen
• tägliche Bewegung
• Sozialkontakt zu anderen Pferden
• fachgerechte Fütterung

3.⁠ ⁠Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz

Zusätzliche Vorgaben speziell für Fiaker:
• maximal 4 Einsatztage pro Woche
• verpflichtende Ruhetage
• regelmäßige tierärztliche Untersuchungen
• Einsatz nur vollständig gesunder Pferde
• behördliche Kontrollen durch Amtstierärzte

👉 Diese Regelungen zählen international zu den strengsten Standards im Pferdetourismus.

Unsere Philosophie: Pferdewohl beginnt im Alltag

Tierschutz entsteht nicht durch Vorschriften allein, sondern durch tägliche Praxis.

Bei Fiaker Paul steht jedes Pferd als Individuum im Mittelpunkt. Unsere Arbeit basiert auf drei Grundprinzipien:
1. Vertrauen statt Druck
2. Langfristige Gesundheit statt kurzfristiger Leistung
3. Ausgleich zwischen Arbeit, Bewegung und Erholung

Ein ausgeglichenes Pferd ist ruhiger im Stadtverkehr, sicherer für Gäste und langfristig gesünder.

Die Ausbildung eines Fiakerpferdes

Ein Fiakerpferd benötigt eine umfassende Ausbildung, bevor es im Stadtverkehr eingesetzt wird.

Ausbildungsdauer: ca. 5 bis 12 Monate

Während dieser Zeit lernen die Pferde schrittweise:
• Gewöhnung an Geschirr und Kutsche
• ruhiges Verhalten bei Verkehrslärm
• Umgang mit Menschenmengen
• sicheres Laufen im Gespann

Wichtige Grundsätze unserer Ausbildung:
• Einsatz frühestens ab dem 4.–5. Lebensjahr
• langsame Steigerung der Belastung
• Training zuerst außerhalb der Innenstadt
• Betreuung durch feste Bezugspersonen

Diese sorgfältige Vorbereitung reduziert Stress erheblich, schafft Freude an der Tätigkeit und erhöht die Sicherheit für Tier und Mensch.

Artgerechte Haltung unserer Fiakerpferde

Rotationssystem statt Dauerbelastung

Wir arbeiten mit einem großen Pferdebestand, wodurch sich die Tiere im Einsatz abwechseln können.

Das bedeutet:
• regelmäßige freie Tage
• planbare Ruhephasen
• keine dauerhafte körperliche Belastung einzelner Pferde

Fiakerpferde Mandula & Villam an einem "freien" Tag.

Bewegung und Sozialkontakt

Pferde sind Herdentiere und Bewegungstiere. Deshalb achten wir besonders auf:
• freien Auslauf
• Kontakt zu Artgenossen
• ausreichend große Stallbereiche
• strukturierte Fütterungszeiten

Diese Faktoren sind entscheidend für psychische Stabilität und körperliche Gesundheit.

Unser Mehrwert gegenüber gesetzlichen Mindeststandards

Hier liegt der wichtigste Unterschied.

Gesetze definieren das Minimum – wir investieren bewusst darüber hinaus.

Was wir zusätzlich bieten

✔ eigener Pferdehof mit großzügigen Weideflächen (rund 15 ha – etwa die Fläche von 22 Fußballfeldern)
✔ regelmäßige Urlaubsaufenthalte für alle Pferde
✔ saisonale Arbeitspausen über gesetzliche Vorgaben hinaus
✔ individuelle Trainingsplanung
✔ engmaschige Gesundheitsüberwachung
✔ langfristige Betreuung bis ins Pensionsalter

Urlaub und Regeneration: Warum Pausen entscheidend sind

Längere Erholungsphasen fördern:
• Muskelregeneration
• natürliche Bewegung
• Sozialverhalten in der Herde
• mentale Entspannung

Diese Form der Haltung orientiert sich stärker am natürlichen Lebensrhythmus des Pferdes als an wirtschaftlicher Maximierung.

Was passiert nach der Fiaker-Karriere?

Unsere Verantwortung endet nicht mit der aktiven Einsatzzeit.

Ehemalige Fiakerpferde bleiben Teil unseres Betriebs und verbringen ihren Ruhestand:
• auf großzügigen Weideflächen
• im Herdenverband
• unter kontinuierlicher Betreuung

Das stellt sicher, dass die Tiere auch im Alter optimal versorgt sind.

Häufige Missverständnisse über Fiakerpferde

„Arbeit ist grundsätzlich schlecht für Pferde.“

Nicht korrekt. Pferde sind Bewegungstiere. Entscheidend sind Belastungsdauer, Training und Betreuung.

„Fiakerpferde arbeiten täglich.“

Gesetzlich verboten. Es gelten klare Einsatzlimits und verpflichtende Ruhetage.

„Die Tiere werden nicht kontrolliert.“

Fiakerpferde gehören zu den am häufigsten veterinärmedizinisch kontrollierten Pferden Österreichs.

Unsere Philosophie ist keine neumodische Tierschutz-Bewegung. Sie ist rund 400 Jahre alt.

Warum moderne Fiakerei und Tierschutz zusammenpassen können

Die Fiakertradition hat sich stark verändert. Heute bestimmen:
• wissenschaftliche Erkenntnisse,
• veterinärmedizinische Standards,
• gesellschaftliche Erwartungen
• und Transparenz

den Alltag verantwortungsvoller Betriebe.

Unser Ziel ist klar: Tradition bewahren – Tierwohl kontinuierlich verbessern.

Unser Fazit: Verantwortung sichtbar machen

Tierschutz bedeutet für uns nicht, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen, sondern Vertrauen zu verdienen.

Jede Kutschfahrt basiert auf der Arbeit unserer Pferde. Deshalb investieren wir bewusst mehr Zeit, mehr Betreuung und mehr Ressourcen in ihr Wohlbefinden, als vorgeschrieben ist.

Denn nur gesunde, ausgeglichene Pferde ermöglichen nachhaltige Fiakerei.